Vorstandsbericht 2026

Hier der Bericht zur Vorstandsarbeit von Nathan Schmidt (Vorstandsvorsitzender) anlässlich der Mitgliederversammlung – 21.03.2026

Liebe Mitglieder und Freunde des Förderkreises Sumy-Hilfe,

letztes Jahr fand unsere Mitgliederversammlung am 15.03.2025 statt. Seitdem haben die Stadt Sumy und der Oblast hunderte Angriffe pro Monat erlebt. Es flogen dutzende Drohnen, gelenkte Bomben, Raketen und Artillerie. Unsere Freunde in Sumy mussten schwere Angriffe mit Iskander-Raketen mit dutzenden Toten erleben.
Für uns unbegreiflich. Diese ständige Bedrohung und Lebensgefahr zu ertragen. Und dennoch leben und arbeiten die Menschen in Sumy. Und auch in der Schule in der Glinka-Straße.
In der vergangenen Woche habe ich mich mit der Schulleiterin Tanja zur aktuellen Arbeit ausgetauscht. Der grobe Überblick lautet folgendermaßen: Momentan werden insgesamt 42 Schülerinnen und Schüler beschult. Davon kommen ca. 15-20 Schüler am Dienstag und am Donnerstag ins Zentrum mit dem Bus. Die anderen, größtenteils in Sumy lebend, der Rest im Westen der Ukraine oder im Ausland, erhält Online-Unterricht. Die Schule ist somit weiterhin von montags bis freitags geöffnet und es arbeiten zurzeit 13 Mitarbeiterinnen dort.
Und weil unsere Freunde in Sumy weiterarbeiten, möchten wir das auch hier weiter tun.
Die Vorstandsarbeit setzte sich im vergangenen Jahr aus mehreren Online-Vorstandsitzungen, direkten Absprachen innerhalb des Vorstandes und aus unseren individuellen Kontakten nach Sumy zusammen.
Nach der letzten Mitgliederversammlung haben wir uns mit dem Spendentransport im Mai 2025 beschäftigt. Hier gab es wieder Absprachen zur Organisation, zu den Spenden, die mitgenommen werden sollten, zu Ladelisten und allen weiteren Dingen, die zum Transport dazugehören. Und so wurde aus Plan dann Realität. Zahnarztausrüstung, Rollstühle, Beschäftigungsmaterialien und vieles Weitere fuhr Alexej, der Fahrer, nach Sumy. Alle Spenden sind dort angekommen, wo sie gebraucht werden. Besonderer Dank für das wirklich starke Engagement gilt dabei Sabine, Seppel und Lars, die sich wirklich jedes Jahr aufs Neue mit vollem Einsatz in diese Arbeit stürzen, sodass ein Spendentransport ohne unsere direkte Teilnahme ermöglicht wird.
Und da wir gerade dabei sind: Ein weiterer Spendentransport wurde im November 2025 organisiert. Auch hier ist wieder alles gut verlaufen. Es konnten wieder viele Rehamittel mitgenommen und verteilt werden – Dank des Einsatzes von Lars. Und nochmals müssen auch Sabine und Seppel erwähnt werden, die erneut eine riesen Leistung, viel Kraft und Mühe für den Transport erbracht haben.
Dank euch bewegen sich Gegenstände, die gebraucht werden, zu den Menschen mit Bedarf. Und es sind nicht nur die Gegenstände, sondern auch die Zeichen, die wir damit setzen, die so unglaublich wichtig sind. Unsere Freunde in Sumy wissen, dass wir für sie da sind und helfen wollen, wo wir können.
Der nächste Spendentransport ist für Mai 2026 geplant. Da der Container in Elster schon sehr voll ist, ist angedacht, dass vorrangig aus diesem Lager Sachen nach Sumy gefahren werden.
Im Sommer 2025 kam es zu einem Missverständnis zwischen dem Vorstand und Sumy. An der nahen Grenze bei Sumy drohte ein großer Einmarsch der russischen Armee und wir machten uns große Sorgen. Bei Überlegungen, wie wir helfen könnten, kam uns die Idee, dass wir einen Flucht-Fonds bereitstellen, sodass die Leute von Felicitas schnell finanziell unterstützt werden könnten, die das für eine Flucht aus Sumy benötigen würden. Wie bereits erwähnt, kam es bei der Kommunikation zu einem Missverständnis und die Ukrainer nahmen an, dass nun Geld unbedingt eingesetzt werden sollte. Dies ließ sich aber mit direkten und offenen Gesprächen mit Swetlana und Sergej klären. Die Lage bei Sumy hat sich im Vergleich zum Sommer 2025 beruhigt, sodass aktuell keine Priorität der Russen erkennbar ist, Sumy zu erobern.
Generell verfolgen wir als Vorstand weiter den Ansatz, dass wir unsere Bereitschaft zur Hilfe und Unterstützung immer wieder nach Sumy signalisieren, jedoch nicht auf eigene Faust etwas initiieren. Unsere ukrainischen Freunde wissen am besten, was sie brauchen. Sie haben bereits über 4 Jahre Kriegserfahrung. Und sie wissen auch, dass sie sich immer an uns wenden können und wir da unterstützen, wo sie es für nötig halten.
In jeder Vorstandsitzung besprachen wir auch immer wieder die aktuelle Lage in Sumy und in der gesamten Ukraine. Und da uns die Menschen in Sumy und in der Ukraine sehr am Herzen liegen, mischte sich unter den sachlichen Austausch auch immer eine emotionale Betroffenheit.
Im Januar meldete sich unsere Schulleiterin Tanja bei mir und schickte mir Fotos von der total vereisten Eingangstür der Schule. Die Fotos waren von innen aufgenommen worden! In Sumy gab es Temperaturen, die tiefer als minus 20°C lagen. Wir folgten der Bitte um einen finanziellen Zuschuss, um die Tür zu dämmen und eine weitere Eingangstür einbauen zu lassen. Dies wurde dann in kürzester Zeit umgesetzt.
Auch unsere langjährige Freundin Swetlana und ihre Situation war des Öfteren Thema in unseren Beratungen und wir freuen uns sehr, dass sie nun über Umwege den Weg zu uns gefunden hat und heute hier teilnehmen kann.
Wir freuen uns übrigens auch über Mitgliederzuwachs und begrüßen in unserer Runde unser neues Vereinsmitglied Karin H. Schön, dass du auch gleich hier bist und schön, dass du mit deiner Mitgliedschaft zeigst, dass dir die Arbeit und die Menschen in Sumy am Herzen liegen. Daher geht mein Dank auch gleich an alle anderen Mitglieder, Freunde und Spender – wir sind zwar ein kleiner Verein, aber die Unterstützung in Sumy und das, was wir bewegen, ist so wichtig. Danke, dass ihr davon ein Teil seid!
Und leider kopiere ich nun zum 3. Mal meine Abschlussworte, da ich finde, dass sie noch immer passend sind (und ich auch denke, dass ihr sie euch nicht über die Jahre gemerkt habt). Natürlich in der Hoffnung, dass ich nächstes Jahr neue, positivere Worte finden darf:
Wir können dankbar sein, dass die Schule nicht zerstört ist, der Schulbetrieb in der Glinka-Straße, wenn auch eingeschränkt, weiterläuft, die Lehrerinnen ihre Arbeit weiterführen und Sumy nicht von Russland besetzt ist. Dennoch müssen wir weiter darauf hoffen, dass dieses sinnlose Leid bald ein Ende findet.
Vielen Dank.
Lars ergänzt, dass auch im vergangenen Geschäftsjahr der Kontakt zum Kindergarten 34 in Sumy intensiv gepflegt wurde. Dorothea spricht einen besonderen Dank an Swetlana E. für ihre zuverlässige und hilfreiche Übersetzungs- und Vermittlungsarbeit zwischen dem Vorstand des Förderkreises und der Gesellschaft Felicitas aus.